Kostbare Karte zeigt Herrschaft Schwedt

Schwedt (MOZ) Das Stadtmuseum Schwedt hat am Freitag eine alte Landkarte zurückerhalten. Die Berliner Restauratorin Katharina Engelmann hatte sie in den vergangenen zwei Monaten in ihrer Obhut und versucht zu retten, was zu retten ist. Die schöne Annabel von Arnim schaute von ihrem Gemälde herunter, als Katharina Engelmann die nun gerahmte Karte in den Ausstellungsraum trug. Die Karte zeigt Wiesen und Wälder rund um Schwedt, den Verlauf von Straßen und die zahlreichen Oderarme. Dabei war das Schriftstück wegen des Schimmelschadens in sehr schlechtem Zustand. Sie war nicht mehr vorzeigbar und das Papier durch Wasserschäden aufgeweicht und sehr verbräunt. "Ich habe kein Bleichmittel genutzt, weil das die Papierfaser angreift", erläuterte Katharina Engelmann, als sie die Karte ins Stadtmuseum zurückbrachte. Noch im Dezember soll das gerettete Prachtstück ausgestellt werden.
Vor allem Männer interessieren sich sehr dafür. "Männer sind grundsätzlich sehr kartenaffin", weiß Museumsleiterin Anke Grodon. Hinter Glas kann man es dann betrachten und staunen, wie präzise der unbekannte Kartograph Mitte des 18. Jahrhunderts gearbeitet hat. Kunow ist schon darauf zu erkennen und die Stadt Gartz sowie viele Wälder. Man kann diese Karte und eine heutige von google earth übereinanderlegen - alles stimmt überein. Es ist bekannt, dass Markgraf Friedrich Wilhelm, genannt der Tolle Markgraf, nicht nur ein Lebemann war, sondern auch ein leidenschaftlicher Jäger. Vielleicht war er ja sogar persönlich der Auftraggeber dieser Karte. Sie ist die älteste im Besitz des Stadtmuseums. Es will nun zwei Experten finden, die sich genauer mit der Datierung der Karte befassen. "Wir wollen einen Forscher von deutscher Seite und einen Fachmann von der Universität Stettin gewinnen", erzählt Anke Grodon. "Denn ein Teil der Markgrafschaft befindet sich heute auf polnischer Seite."
Mitglieder des Museumsfördervereins hatten die Karte vor einem Jahr im Internet entdeckt und das Museum zum Kauf angeregt. "Normalerweise werden solche Karten kleinen Museen gar nicht angeboten. Sie landen meist in Plankammern", weiß Anke Grodon. Umso erfreuter war sie, als Siegmund Bäsler, Geschäftsführer der Schwedter Dienstleistungsfirma WDU, sich bereit erklärte den Kauf und die Restaurierung zu finanzieren. "Siegmund Bäsler liegt auch die Nachhaltigkeit dieser Karte sehr am Herzen. Andere Generationen haben ebenfalls etwas davon. An dieser Karte ist ablesbar, wie sie über die Jahrhunderte gekommen ist und dass sie ein Gebrauchsgegenstand war", erzählt Anke Grodon.

VERSPIELTE ILLUSTRATION: HIRSCH UND JAGDHUND WEISEN AUF DER KARTE AUF DIE JAGDLEIDENSCHAFT DES SCHWEDTER MARKGRAFEN HIN.
© FOTO: MOZ/EVA-MARTINA WEYER